Heimspiel in Leonberg
Endlich mal ein Heimspiel. Nur 5 Kilometer von meinem Wohnort entfernt fand ein After Work rund ums Testen statt. Das war echt mega.
Mein Plan, mit dem Fahrrad anzureisen, ließ sich leider nicht umsetzen. Ich hielt selbst einen Vortrag und wollte nicht in verschwitzten Kleidern vorne stehen. Das Fahrrad blieb also stehen.
Die German Testing Night ist ein kostenloses Abendformat der German Testing Community, das diesmal bei der evia GmbH in Leonberg zu Gast war. Durch den Abend führten Viktor Paland und Pradeep Harikrishnan, und Pradeep setzte mit seiner kurzen Einleitung gleich den Rahmen: Was bedeutet Qualität im Alltag von Softwareprojekten, und wann beginnt Testing wirklich? Mit diesen Fragen im Kopf ging es in die 3 Impulsvorträge.
Digitale Barrieren abbauen: Perspektiven aus Praxis und Erfahrung
Ein spannender Vortrag, der Theorie und Praxis zusammenbrachte. Mihail Danilov stellte die theoretischen Grundlagen vor. Sugherthy Manoharan zeigte, wo sie im Alltag durch ihre Sehbeeinträchtigung auf Probleme stößt, wie sich diese umgehen lassen und worauf es ankommt.
Genau diese Kombination machte den Vortrag stark. Theorie ist das eine. Zu sehen, was eine Barriere im Alltag tatsächlich bedeutet, ist etwas ganz anderes.
Think like an Attacker: Penetration Testing in der Praxis
Christian Flieder und Matthias Fulz berichteten aus ihrem Alltag als Penetrationstester. An einem Beispiel zeigten sie, worauf zu achten ist und wie schnell schlechte Programmierung Angriffsfläche bietet.

Penetration Testing ist definitiv ein Feld, in dem ich mich noch nicht so gut auskenne. Umso mehr nahm ich an diesem Abend mit.
Testarten neu gedacht: Ein Matrix-Modell schafft Klarheit
Den Abschluss machte ich mit dem Matrix-Modell der TestGilde, damit Testarten eine neue Heimat finden. Ausgangspunkt ist eine Diskussion, die in fast jedem Projekt aufkommt: Ist ein Regressionstest eine Testart oder eine Teststufe? Wo gehört der Smoke-Test hin? Der ISTQB-Syllabus kennt 4 abstrakte Kategorien, Begriffe wie Regressionstest oder Performanztest tauchen darin aber nicht auf. Das Matrix-Modell zeigt, woher die Verwirrung kommt, und macht Testarten im Projektalltag praktisch nutzbar.

Zum Schluss fasste ich den Nutzen des Modells in 3 Punkten zusammen:
- Jeder Begriff aus dem Projekt lässt sich strukturell einordnen.
- Lücken in der Testabdeckung werden sichtbar, bevor sie im Projekt schmerzhaft werden.
- Die Kommunikation mit allen, die nicht aus dem Test kommen, wird deutlich einfacher, weil sich eine Matrix ohne lange Erklärungen erfassen lässt.
Eine Zusammenfassung des Vortrags steht auf der Seite zum Vortrag, weitere Vorträge unter Auftritte.
Da eine Live-Interaktion per QR-Code eingebaut war, hatte ich eine HTML-Präsentation vorbereitet. Der Abend war zugleich mein Technikcheck für den Vortrag, den Julia Leitner und ich im November auf dem Software-QS-Tag halten.
Gemeinsam mit Laura de Michele habe ich das Matrix-Modell auch in einem Artikel für die iX beschrieben. Er erscheint am 06.11.2026 im iX Special „Software-Testing“ und steht unter Veröffentlichungen.
Das Matrix-Modell in der Praxis: Wie ich meine Homepage teste
Mein Highlight: Pentester gegen die Live-Sammlung
Mit dem Pentesting-Vortrag direkt davor hatte ich schon etwas Angst, dass jemand meine Live-Sammlung der bekannten Testarten auf genau diese Weise prüft. Und was soll ich sagen: Natürlich nutzten die Pentester die Gelegenheit. Wer nach einem Vortrag übers Angreifen einen QR-Code in den Raum hält, darf sich über Besuch nicht wundern.
In der Wortwolke landeten neben Regressionstest und Smoketest plötzlich <script>alert(1)</script> und {7*7}. Zum Glück hatte mir Claude dafür etwas Sicheres gebaut: Beides erschien brav als Text, ohne Pop-up und ohne 49.

Come Together und das TestLänd
Danach gab es ein Come Together mit Fachsimpeln und lockerem Austausch. Spannend war, dass man auch im Ländle immer wieder Testbegeisterte trifft, die das TestLänd noch nicht kennen. Also, wenn du das TestLänd auch noch nicht kennst, dann schau mal vorbei bei einem unserer After Works.

Fazit
Ein echt toller Abend mit vielen Testbegeisterten. 3 Vorträge, 3 ganz unterschiedliche Blickwinkel auf Qualität: Barrierefreiheit, Sicherheit und die Frage, wie sich Testarten sauber ordnen lassen.
Danke an evia, an Viktor Paland und Pradeep Harikrishnan für die Moderation und an Mihail Danilov, Sugherthy Manoharan, Christian Flieder und Matthias Fulz für ihre Vorträge. Und vielleicht klappt es beim nächsten Heimspiel ja auch mit dem Fahrrad.



