Zum Jahresausklang habe ich mit Richard Seidl, Wolfgang Sperling und Christian Mercier im Podcast Software Testing über den Stand der Dinge gesprochen: Was bringt KI im Testen wirklich, was bleibt Handwerk, und wohin bewegt sich der Beruf. Ein Weihnachtsplausch mit vier sehr unterschiedlichen Blickwinkeln auf dieselbe Frage.
KI verstärkt, was schon da ist
Ein Mechanismus aus der Testautomatisierung wiederholt sich gerade mit KI, nur schneller. Ist der zugrunde liegende Testprozess lückenhaft, holt einen das früher oder später ein, mit KI sogar deutlich früher. Wer KI einführt, um unbequeme Fragen zur eigenen Teststrategie zu umgehen, löst damit kein einziges Problem. Die eigentliche Grundlagenarbeit, ein gemeinsames Verständnis von Prozess und Zielen, wird dadurch nicht ersetzt, sondern erst recht zur Voraussetzung.
Nicht-funktionale Qualität wird zur Pflicht
Der Fokus im Testen verschiebt sich spürbar weg von reiner Funktionalität. Performance, Usability und Barrierefreiheit waren früher optional, heute werden sie vorausgesetzt. Mit dem Einsatz von KI-Agenten verlagert sich zudem ein Teil der Qualitätssicherung in den laufenden Betrieb, was neue Aufgaben rund um Risiko-Mitigation und Monitoring mit sich bringt.
Technisches Rüstzeug und Bauchgefühl
Fachliches Wissen allein reicht nicht mehr aus. Der Fachbereich rückt näher an die Technik, die IT rückt näher an den Fachbereich, mit dem Ziel eines gemeinsamen Produkts statt eines Codes, der über den Zaun geworfen wird. Verloren gehen darf dabei die Fehlerintuition nicht: Ein erheblicher Teil aller gefundenen Fehler stammt aus Bauchgefühl, nicht aus einem sauber dokumentierten Testfall. Diese Intuition wächst über Jahre und ergänzt die technische Tiefe, sie ersetzt sie nicht.
Austausch schlägt Alleingang
In einer Zeit, in der KI-Tempo das gewohnte Testvorgehen überholt, bleibt der persönliche Austausch das wirksamste Werkzeug. Regionale Communities zeigen das deutlich: Wenn Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenkommen, entstehen aus dem Alltag heraus konkrete Lösungen, keine Konzepte auf hohem Abstraktionsniveau. Genau das trägt weiter als jedes einzelne Werkzeug.
Die vollständige Folge gibt es bei Richard Seidl zum Nachhören.

