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TestLänd After Work im Juni 2026

Hitzewelle, Test und Grillen in Esslingen

Teilnehmende des TestLänd After Work im Stuhlkreis, eine Person meldet sich zu Wort, auf der Leinwand die Frage: Haben wir durch KI ein Nachwuchsproblem?
Diskussionsrunde zum KI-Nachwuchsproblem im Stuhlkreis.
KURZ GESAGT
  • Am 24. Juni 2026 fand das 5. After Work vom TestLänd statt, zu Gast bei der TestGilde in Esslingen. Über 30 Testbegeisterte kamen trotz Hitzewelle.
  • Andreas Sczepanski zeigte, wie KI die Qualität von Testfällen prüft. Seine Botschaft: Auch der KI-Prüfer muss geprüft werden. Julia Leitner und ich moderierten eine Diskussionsrunde zum KI-Nachwuchsproblem.
  • Den Abschluss bildete ein Grillabend auf der Dachterrasse mit Blick auf die Weinberge.

Hitzewelle und trotzdem ein voller Raum

Der 24. Juni lag mitten in der historischen Juni-Hitzewelle, für Stuttgart galt bereits den 7. Tag in Folge eine Hitzewarnung. Hitze pur. Bestes Wetter also, um sich nach Feierabend freiwillig in einen Raum zu setzen und über Softwaretest zu reden. Trotzdem kamen über 30 Personen zum After Work. Belohnt wurden sie mit einem richtig guten Abend.

Zu Gast waren wir wieder bei der TestGilde in Esslingen, in der bekannt entspannten Atmosphäre. Auch der ASQF hatte den Abend auf asqf.de angekündigt. Wie gewohnt standen 2 Vorträge auf dem Programm. Nur beim Essen gönnten wir uns etwas Neues: Statt Pizza zu bestellen, ging es zum Abschluss auf die Dachterrasse.

Teilnehmende im Gespräch im Foyer der TestGilde, an der Wand das TestGilde-Logo und eine Wimpelkette vom TestLänd.
Ankommen im Foyer der TestGilde.

Vortrag: Testfallqualität durch KI prüfen lassen

Testfälle sind mit KI schnell erzeugt. Aber taugen sie auch etwas? Andreas Sczepanski startete mit 2 Fragen per Handzeichen. Kann KI unsere Testfälle schreiben? Und würden wir sie von KI benoten und abnehmen lassen, ohne selbst draufzuschauen? Um die zweite Frage ging es. Sein Ansatz: Auch die Prüfung übernimmt eine KI.

Sein KI-Prüfer bewertet die Testfälle nach 8 gewichteten Kriterien:

  • Fachliche Qualität: Abdeckung, Relevanz, Korrektheit, Priorisierung und Anpassbarkeit (nur mit Projektkontext)
  • Verwertbarkeit: Struktur, Klarheit und Nachvollziehbarkeit

Dazu kommt die Laufstabilität. Sie zeigt, wie zuverlässig die Generierung ohne Abbrüche durchläuft. Am Ende steht ein Quality Score von 0 bis 100. Das Modell lehnt sich an ISO 25010 und ISO 25059 an.

Folie Womit der Prüfer bewertet, Bewertungsmodell angelehnt an ISO 25010 und ISO 25059: Fachliche Qualität mit Abdeckung 27 %, Relevanz 18 %, Korrektheit 18 %, Priorisierung 5 % und optional Anpassbarkeit 10 %, Verwertbarkeit mit Struktur 14 %, Klarheit 9 % und Nachvollziehbarkeit 9 %, Laufstabilität mit der Abschlussquote je Lauf. Alles zusammen ergibt einen Quality Score von 0 bis 100.
Folie aus dem Vortrag: Womit der KI-Prüfer bewertet.

Die eigentliche Pointe kam danach. Die Ergebnisse sahen immer gut aus. Die Scores lagen zwischen 85 und 91, die Begründungen klangen plausibel. Sie konnten aber genauso gut halluziniert sein. Beim Optimieren ging es mehrfach schief. Mal fielen die Scores auf rund 50, mal stiegen sie auf fast 100. Schöne Zahlen heißen also noch nicht gute Qualität.

Ein guter Prüfer muss deshalb 2 Dinge zugleich können. Er trennt gute klar von schlechten Testfällen. Und er fällt bei Wiederholung dasselbe Urteil. Sein Fazit: Prüfe den Prüfer.

Spannend fand ich auch seinen Modellvergleich. Er ließ verschiedene LLMs Testfälle erzeugen und bewertete sie mit seinem Prüfer. Das überraschende Ergebnis: Es sind nicht immer die Platzhirsche, die am besten abschneiden. Das Open-Weight-Modell gpt-oss:120b erreichte 87 Punkte, genauso viel wie Claude Opus 4.6. Der Nachfolger Claude Opus 4.8 kam nur auf 84 Punkte. GPT-4o landete mit 58 Punkten weit hinten.

Teilnehmende sitzen im Stuhlkreis, ein Vortragender steht neben der Leinwand.
Vortrag zur Testfallqualität im Stuhlkreis.

Diskussionsrunde: Haben wir durch KI ein Nachwuchsproblem?

Den 2. Programmpunkt gestalteten Julia Leitner und ich gemeinsam: eine moderierte Diskussionsrunde zum KI-Nachwuchsproblem. Wir stiegen mit einem kleinen Rollenspiel ein. Dazu zeigten wir Pixel-Avatare von uns beiden, einmal heute und einmal 20 Jahre älter.

Julia Leitner und Matthias Groß, die beiden Moderierenden der Diskussionsrunde, vor der Titelfolie mit ihren Pixel-Avataren in jung und alt.
Julia und ich vor der Titelfolie mit unseren Pixel-Avataren.

Die Ausgangslage dürfte aus dem Projektalltag bekannt sein: Ein Testkonzept muss morgen früh raus. Ich habe selbst wenig Zeit und will es an einen Junior geben. Julia winkt ab, die KI sei schneller und sauberer. 5 Minuten später liegt das Testkonzept in ihrem Postfach. Und Tim, unser Junior? Wartet. Wieder.

Dann der Zeitsprung: 20 Jahre später, irgendwo in der Karibik. Unser alter Junior ruft an, weil die KI ihm etwas Komisches ins Testkonzept geschrieben hat. Eigentlich ist er doch der neue Human-in-the-Loop. Warum prüft er es nicht? Weil er es nie gelernt hat. Unsere Pointe: Tim ist kein schlechter Testmanager. Er hatte nur nie die Chance, einer zu werden. Und der Minijob in der Rente? Gern, aber nur remote von der Karibik aus.

Das Rollenspiel zeigte bewusst nur einen Blickwinkel. In der Diskussion kamen dann viele weitere dazu, die wir selbst so gar nicht auf dem Schirm hatten. Einige Fragen, die wir andiskutierten:

  • Droht ein Wissensverlust, vergleichbar mit dem Brand der Bibliothek von Alexandria?
  • Werden vor allem diejenigen benachteiligt, die durch das Tun lernen?
  • Werden Aufgabengebiete durch KI nischiger? Und darf das auch so sein?
  • Löst sich das Nachwuchsproblem möglicherweise von selbst, wenn der Leidensdruck groß genug wird?
  • Hat irgendjemand Radfahren nur durch Zuschauen gelernt?

Mein Highlight: Grillen auf der Dachterrasse

Nach den Vorträgen ging die Diskussion bei einem Kaltgetränk auf der Dachterrasse direkt weiter, diesmal mit Gegrilltem und mit Blick auf die Weinberge. Nach diesem Hitzetag war der Abend dort oben genau richtig.

Raum und Grillgut sponserte die TestGilde. Besonders freute mich, dass einige aus der Community sogar Salate mitbrachten. Das machte unser Sommerevent noch einmal besonderer.

Eine Person grillt Würste, daneben essen Teilnehmende an einem Holztisch auf der Dachterrasse der TestGilde in Esslingen, im Hintergrund die Weinberge in der Abendsonne.
Grillen auf der Dachterrasse, im Hintergrund die Weinberge.

Bis 23 Uhr saßen wir zusammen und tauschten uns über Test und Qualitätssicherung aus.

Eine Runde Teilnehmender sitzt in der Dämmerung am Tisch auf der Dachterrasse und diskutiert, dahinter das beleuchtete Bürogebäude.
Die letzte Runde in der Dämmerung.

Fazit

Nach gut anderthalb Jahren sehen wir langsam, welch tolle Community hier in Baden-Württemberg entstanden ist. Dass über 30 Leute mitten in der Hitzewelle kamen, um über Testfallqualität und den Nachwuchs im Testing zu diskutieren, sagt eigentlich alles.

Danke an Andreas für den Vortrag, an Julia für die gemeinsame Moderation, an die TestGilde für die Gastfreundschaft und an alle, die der Hitze getrotzt haben.

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DER AUTOR

Matthias Groß ist Testmanager und Partner der TestGilde GmbH in Esslingen bei Stuttgart und arbeitet seit 2007 in der Softwarequalitätssicherung. Er hat von 2008 bis 2022 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg gelehrt und betreut dort seit 2015 Projekt- und Bachelorarbeiten. Er ist Mitgründer der Testcommunity TestLänd und Mitglied im Programmkomitee des Software-QS-Tag. Am meisten lernt er im Austausch mit anderen, deshalb liegt ihm die Community so am Herzen.